Transparenz:
“Das Lied des Dionysos“ von Natasha Pulley, erschienen bei Klett-Cotta Verlag, ist ein Rezensionsexemplar, das mir vom Verlag als Hardcover mit Schutzumschlag kostenlos für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt wurde. Die kostenlose Bereitstellung des Buches hat meine Meinung in keiner Weise beeinflusst. Meine Rezension spiegelt ausschließlich meine eigenen Eindrücke wider. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Exemplars.
Über das Buch

Autor*in: Natasha Pulley
deutscher Titel: Das Lied des Dioynsos
Originaltitel: The Hymn to Dionysos
Reihe | Band: –
Verlag: Klett-Cotta Verlag (16. August 2025)
Seitenzahl: 544 Seiten | Gebundene Ausgabe (auch als eBook erhältlich)
ISBN: 978-3608966848
Genre: Historische Fantasy
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
Umschlaggestaltung: Klett-Cotta Verlag, Stuttgart
Aus dem Englischen übersetzt von Michael Pfingstl
Worum geht es im Buch?
»Natasha Pulleys phantastischer wilder Dionysos wird Sie völlig in seinen Bann ziehen!« Luna McNamara
Der junge Krieger Phaidros rettet in Theben ein ausgesetztes Baby, von dem eine ganz eigenartige Faszination ausgeht, vor dem sicheren Tod und bringt es zum Tempel der Artemis, in dem verwaiste Kinder aufgezogen werden. Wer kann schon ahnen, dass mit dem kleinen Jungen unvergleichliches Unheil über ganz Theben, ja über der ganzen Welt aufzieht.
Was hat es mit dem Findlingskind auf sich? Ist es ein Bastard oder vielleicht gar von Zeus gezeugt? Jahre später, Troja ist gefallen und die Soldaten um Phaidros rüsten die Schiffe zur Heimfahrt. Da begegnen sie auf einer Insel einem seltsam schönen Jüngling und nehmen ihn gefangen. Ihm droht nun das Los als, Sklave verkauft zu werden, – was für ein Frevel! Das Kentern des Schiffs ist erst der Beginn einer verheerenden Rache, des gedemütigten Dionysos. Über Theben breitet sich eine nie dagewesene Dürre aus. Aber noch schlimmer: Eine seltsame Macht ergreift Gemüt und Verstand der Menschen, der Wahnsinn geht um. Und doch hängt das Herz von Phaidros an dem Gott, der ihm in vielerlei Gestalt begegnet. Natasha Pulley erzählt so spannend und lebendig von der Antike, als wäre es es gestern gewesen.
»Ein schillerndes Labyrinth von einem Buch, das einen nicht loslässt. Pulleys phantastischer wilder Dionysos die Leserinnen völlig in seinen Bann ziehen, und Phaidros sprühender Geist und Humor schlägt einen auf jeder Seite. Eine überwältigende Hommage an den Gott des göttlichen Wahnsinns.« –Luna McNamara, Autorin von PSYCHE AND EROS
Coverabbildung und Inhaltsangabe: © Klett-Cotta Verlage | Das Lied des Dionysos – Natasha Pulley
Tropes
Tropes – diese Story-Elemente erwarten dich:
- Greek Mythology
- Gods
- The Chosen One
- Prophecy
- Found Family
- Magical Realism
- Queer Slow Burn Romance
Meine Meinung zu „Das Lied des Dionysos“
„Das Lied des Dionysos“ von Natasha Pulley ist ein historisches Fantasy-Retelling der griechischen Mythologie, das die Geschichte des Gottes Dionysos neu interpretiert und eng mit dem Schicksal des jungen Kriegers Phaidros verknüpft. Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut, denn ich liebe Mythologie. Ich finde es immer wieder spannend, wie alte Sagen und Legenden neu erzählt werden, wie bekannte Figuren in einem anderen Licht erscheinen und welche neuen Zwischentöne Autorinnen und Autoren finden. Gerade die griechischen Mythen bieten so viel Raum für Leidenschaft, Tragik und Wahnsinn und genau das habe ich mir hier erhofft.
Die Geschichte beginnt in Theben. Der junge Krieger Phaidros rettet dort ein ausgesetztes Baby und bringt es in den Tempel der Artemis. Doch das Kind ist nicht wie andere Kinder. Es zieht die Menschen an, stößt sie ab, wirkt fremd, gar unheimlich und doch faszinierend zugleich. Schnell steht die Frage im Raum: Ist es ein Bastard? Oder gar ein Sohn des Zeus?
Jahre später ist Troja gefallen. Phaidros kehrt mit seinen Männern heim. Auf einer Insel treffen sie auf einen seltsam schönen Jüngling und nehmen ihn gefangen. Was wie eine Randepisode wirkt, wird zum Wendepunkt. Denn dieser Jüngling ist niemand Geringeres als Dionysos. Die Demütigung bleibt nicht ohne Folgen. Eine Dürre legt sich über Theben. Wahnsinn greift um sich. Menschen verlieren den Verstand. Und mitten in all dem steht Phaidros, der zwischen Pflicht, Schuld, Liebe und Loyalität hin- und hergerissen ist.
Inhaltlich bietet das Buch also alles, was ein großes Epos braucht: göttliche Rache, maßlose Selbstüberschätzung, Leidenschaft und Zerstörung. Besonders gefallen hat mir die Grundidee. Die enge Verbindung zwischen Phaidros und Dionysos ist intensiv und vielschichtig. Ihre Beziehung lebt von Gegensätzen – Wahrheit und Lüge, Kontrolle und Ekstase, Vernunft und Wahnsinn. Szenen, die mich wirklich berührt haben.
Allerdings ist mir das Lesen dieses Mal äußerst schwer gefallen. Den Schreibstil empfand ich ein wenig anstrengend – sehr detailreich, sehr dicht und oft ausschweifend. Viele Gedanken werden wieder und wieder durchgespielt und Gespräche ziehen sich unnötig in die Länge. Ich hatte oft das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Der rote Faden war da, aber er verlor sich immer wieder in Abschweifungen. Es fühlte sich stellenweise zäh an. Nicht poetisch fließend, sondern eher schwer. Ich musste mich echt konzentrieren, um nicht den Anschluss zu verlieren. Weshalb mein Lesefluss extrem ausgebremst wurde.
Vor allem die Erzählperspektive hat mich leider immer wieder verwirrt. Die Geschichte wird aus Phaidros’ Sicht erzählt. Wir erleben seine Gedanken, seine Zweifel, seine Loyalität. Doch genau hier lag für mich auch das Problem. Seine Gedanken drehen sich oft im Kreis und Themen werden mehrfach durchgekaut. Zeitsprünge und Erinnerungen fließen ineinander. Manchmal wusste ich nicht sofort, in welcher Situation ich mich gerade befinde, wodurch ich einfach leicht die Orientierung verloren habe. Ich hätte mir hier tatsächlich eine auktoriale Erzählperspektive gewünscht, mit mehr Überblick über die Handlung und Abstand zu den Charakteren. Gerade bei einer so komplexen Geschichte hätte das für mich vieles klarer gemacht.
Das Tempo ist eher ruhig. Wer actionreiche Szenen erwartet, wird hier wohl leicht enttäuscht sein. Manche Episoden wirken sehr ausführlich, während andere Entwicklungen plötzlich schnell abgehandelt werden. Dadurch gibt es extreme Schwankungen im Spannungsbogen. Erst gegen Ende zieht das Tempo spürbar an, und das Finale ist überraschend brutal und emotional. Diese letzten Kapitel haben mir deutlich besser gefallen als die lange Durststrecke davor.
Was den Weltenbau betrifft, hatte ich gemischte Gefühle. Die antike Welt wirkt atmosphärisch, aber nicht immer historisch greifbar. Mythologische Figuren werden frei interpretiert und die Autorin spielt mit den Epochen. Es ist keine streng historische Bronzezeit, sondern eher eine zeitlose, mythisch aufgeladene Version davon. Das muss man mögen. Wer sehr viel Wert auf mythologische Genauigkeit legt, könnte hier öfters darüber stolpern. Ich habe die künstlerische Freiheit grundsätzlich akzeptiert, auch wenn mir manche Änderungen ein wenig arg fremd vorkamen.
Die Charaktere sind spannend angelegt, besonders Phaidros. Er ist kein klassischer Held. Er zweifelt, grübelt, hadert. Vielleicht sogar ein bisschen zu viel. Seine Entwicklung ist nachvollziehbar, aber durch die vielen inneren Monologe auch etwas zäh. Dionysos dagegen bleibt lange schillernd und schwer greifbar. Mal verletzlich, mal grausam, mal verspielt, mal furchteinflößend. Genau dieses Wechselspiel passt natürlich zum Gott des Wahnsinns und doch hätte ich mir manchmal eine klarere Linie gewünscht.
Am Ende bleibe ich mit gemischten Gefühlen zurück. Ich liebe Mythologie und die Idee und sehe das Potenzial. Und ich finde es mutig, einen so komplexen Gott wie Dionysos neu zu erzählen. Aber der Stil, die Perspektive und die Längen haben es mir schwer gemacht, wirklich in die Geschichte einzutauchen, wodurch sie mich leider nicht vollkommen in ihren Bann ziehen konnte.
Fazit:
„Das Lied des Dionysos“ von Natasha Pulley ist eine sehr freie mythologische Interpretation mit starker Grundidee, atmosphärischem Setting und intensiven Figuren, aber auch deutlichen Schwächen im Erzählfluss und in der Struktur. Wer bereit ist sich auf eine ruhige und besondere Erzählweise einzulassen und nicht stur an der Genauigkeit mythologischer Erzählungen festhält, wird mit ein paar interessanten Lesestunden belohnt!
Meine Bewertung


Altersempfehlung und Zielgruppe
Ich sehe „Das Lied des Dionysos“ klar bei einem reiferen Publikum. Aufgrund der komplexen Themen – göttlicher Wahnsinn, Manipulation, Macht, Gewalt und moralische Grauzonen – würde ich das Buch etwa ab 16 Jahren empfehlen.
Die Geschichte richtet sich an Leser*innen, die Freude an mythologischen Neuinterpretationen haben und bereit sind, sich auf eine ruhige, aber eigenwillige Erzählweise, interessante Figuren, innere Konflikte und ambivalente Beziehungen einzulassen. Weniger geeignet ist das Buch für Leser*innen, die großen Wert auf historische Genauigkeit oder ein schnelles, spannungsgetriebenes Storytelling legen.
Autor*in
Natasha Pulley studierte in Oxford Englische Literatur. Nach Stationen im Buchhandel und bei der Cambridge University Press in den Bereichen Astronomie und Mathematik setzte sie ihre Studien in Tokyo fort. Sie erhielt ein Stipendium der Gladstone’s Library als Writer in Residence. Gegenwärtig hat sie Lehraufträge an den Universitäten von Bath und Cambridge. Ihr Debüt Der Uhrmacher in der Filigree Street gewann den Betty Trask Award und wurde ein internationale Bestseller. Zuletzt erschien in der Hobbit Presse ihr Roman Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit.
(Quelle + Infos: https://www.klett-cotta.de/personen/natasha-pulley-p-798)
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Ich hoffe, meine Rezension hat dir gefallen und dich neugierig gemacht.
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Die Copyright- und Urheberrechtsangaben sind in meinem Impressum hinterlegt.


