Transparenz:
“Waterwitch“ von Molly O’Neill, erschienen bei Piper Verlag, ist ein Rezensionsexemplar, das mir vom Verlag als Hardcover kostenlos für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt wurde. Die kostenlose Bereitstellung des Buches hat meine Meinung in keiner Weise beeinflusst. Meine Rezension spiegelt ausschließlich meine eigenen Eindrücke wider. Lieber Leo Nachtigall, hab vielen lieben Dank für die Bereitstellung des Exemplars.
Über das Buch

Autor*in: Molly O‘Neill
deutscher Titel: Waterwitch
Originaltitel: Greenteeth
Reihe | Band: –
Verlag: Piper Verlag (1. August 2025)
Seitenzahl: 384 Seiten | Hardcover (auch als eBook erhältlich)
ISBN: 978-3492706773
Genre: Historische Fantasy, Dark Fairy Tale Fantasy
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Umschlaggestaltung: Guter Punkt, München
Aus dem Englischen übersetzt von Judith C. Vogt
Worum geht es im Buch?
Erzählt von Jenny Greenteeth – der Flusshexe aus der englischen Folklore
Unter der Wasseroberfläche des Sees lauert ein Monster: Jenny Greenteeth ist immer hungrig und bereit zum Angriff. Bis eines Tages ein wütender Mob eine Hexe in ihren See wirft. Irgendetwas an Temperance lässt Jenny innehalten und sie retten. Doch die Hexe kann nicht zurück zu ihrer Familie, die zusammen mit den restlichen Dorfbewohnern unter dem Einfluss des neuen böswilligen Pastors steht. Obwohl die beiden nichts gemeinsam haben, müssen sie ihre Kräfte auf einer magischen Quest vereinen, um das Böse zu besiegen, das…
Coverabbildung und Inhaltsangabe: © Piper Verlag | Waterwitch – Molly O’Neill
Tropes
Tropes – diese Story-Elemente erwarten dich:
- Celtic Mythology
- Reluctant Hero(ine)
- Magical Quest
- Found Family
- Fish-Out-Of-Water
- Misfits Unite
Meine Meinung zu „Waterwitch“
„Waterwitch von Molly O’Neill“ ist ein magisches, märchenhaft-düsteres Fantasy-Abenteuer, das mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Schon der Klappentext hat mich extrem neugierig auf die Geschichte gemacht, da ich Folklore liebe und mich ganz besonders auf die Umsetzung zu Jenny Greenteeth gefreut habe. Es ist übrigens das Debüt der Autorin.
Und was soll ich sagen: Dieses Buch war ein absolutes Highlight für mich.
Im Mittelpunkt steht Jenny Greenteeth, eine eigenwillige, clevere und manchmal leicht furchteinflößende Flusshexe. Sie hat Humor, Sarkasmus, eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein und gleichzeitig diese verborgene Verletzlichkeit, die sie menschlich und greifbar macht. Begleitet wird sie von Temperance, die als neugierige, mutige, aber auch ein wenig naive Gefährtin für frischen Wind sorgt. Und dann ist da Brackus, der kleine Kobold, der immer wieder unverhofft auftaucht und die Gruppe mit seinem schelmischen Charme aufmischt. Zusammen bilden die drei ein spannendes und unterhaltsames Team – auch wenn sie sich ständig gegenseitig auf die Nerven gehen.
Die Dynamik zwischen ihnen ist lebendig, oft witzig, manchmal auch emotional und ernst. Besonders schön fand ich, wie sich die Verbindung zwischen ihnen langsam entwickelt, nicht überhastet oder perfekt, sondern eher wie etwas, das Zeit braucht.
Die Geschichte selbst beginnt damit, dass eine Hexe, Temperance, von einem wütenden Mob in Jennys See geworfen wird. Eigentlich müsste Jenny sie fressen. Aber irgendetwas hält sie zurück. Sie rettet Temperance und damit beginnt ein Abenteuer, das viel größer ist, als es zuerst scheint. Denn ein böswilliger Pastor hat das Dorf unter seinen Einfluss gebracht… Die Handlung entwickelt sich zu einer magischen Quest voller Prüfungen, Begegnungen und Gefahren. Gemeinsam mit dem Kobold Brackus machen sich Jenny und Temperance auf den Weg das Böse zu besiegen.
Schon der Einstieg hat mich komplett abgeholt, vor allem durch Jennys ganz eigene, unverwechselbare Stimme. Gleich zu Beginn gibt es diesen wundervollen Abschnitt, der so viel über sie verrät und mich direkt zum Schmunzeln gebracht hat:
„Ich mag es, wenn mein See nett und aufgeräumt aussieht. Von der Oberfläche aus gesehen ist das schwer zu sagen, aber mein See ist makellos, mit exzellenter Wasserzirkulation und den besten Bachforellen in ganz Westengland. Selbst meine Frösche sehen klüger aus als die in minderwertigeren Seen, obwohl sie ganz ähnlich schmecken. Ich bin vielleicht kein Mensch, doch das bedeutet nicht, dass ich keine Grundsätze besitze. Gutes Instandhalten des Sees ist wichtig für Fischbestände und Wasserqualität, und ganz generell konnte ich Unordnung noch nie ausstehen. Meine Vorliebe für Ordnung ist sicher nicht meine vettelhafteste Eigenschaft, aber ich bin genau genommen auch keine Vettel. Ich bin mir gar nicht sicher, was ich bin; außer Jenny natürlich. Jenny Greenteeth, das ist mein Name. Und der meiner Mutter und ihrer Mutter und so fort bis weit zurück und flussaufwärts zur Quelle aller Flüsse und Seen des Landes. Es ist auch der Name meiner Tochter, doch als sie noch bei mir lebte, hab ich sie immer Klein Jenny genannt, und danach war sie Jenny im Mühlenteich bei der Weide. Ich nehme an, mein voller Name wäre somit Jenny Greenteeth im See bei Chipping Appleby, aber damit muss man den Mund ganz schön voll nehmen, deshalb: einfach nur Jenny.“ (Molly O‘Neill, “Waterwitch“, Seiten 7-8)
Allein daran merkt man schon: Jenny ist kein typisches „Monster“. Sie ist eigen, witzig, ein bisschen schrullig – und einfach unglaublich liebenswert. Ich habe sie sofort ins Herz geschlossen.
Temperance ist mir ebenfalls sehr ans Herz gewachsen. Sie ist stark, klug und gleichzeitig verletzlich. Ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte ist sehr glaubwürdig. Sie wächst an den Herausforderungen, ohne dabei ihre Menschlichkeit zu verlieren. Auch wenn ich fast nichts an Temperance auszusetzen habe, hätte ich mir stellenweise gewünscht, dass ihre Gedanken zu Jennys eher eigenwilligen Entscheidungen noch etwas mehr reflektiert werden – ein kleiner Einblick in ihre Unsicherheit hätte das Zusammenspiel noch intensiver gemacht.
Generell sind die Charaktere alle einmalig – von drollig bis schrullig. Jeder hat seine eigene Stimme und Präsenz.
Was das Buch ebenfalls besonders macht, ist die Erzählperspektive. Alles wird aus Jennys Ich-Sicht erzählt. Diese Perspektive ist frisch, ungewöhnlich und unglaublich unterhaltsam. Denn wir erleben die Welt durch die Augen eines Wesens, das eigentlich ein Monster ist, aber eben auch so viel mehr. Auch wenn ich mir manchmal allerdings auch ein paar Momente der Handlung aus Temperances Sicht gewünscht hätte.
Der Schreib- und Erzählstil ist dabei angenehm leicht, humorvoll und gleichzeitig atmosphärisch dicht. Es liest sich flüssig, ein bisschen märchenhaft, aber mit einer dunklen Note. Diese Mischung aus cozy und düster hat mir richtig gut gefallen. Und ich musste oft laut lachen, wenn Jenny wieder einen sarkastischen Kommentar fallen ließ oder Temperance kopfschüttelnd ihre Pläne zunichte gemacht wurden.
Auch das Tempo ist sehr gelungen. Die Geschichte hat ruhige, gefühlvolle Momente, aber auch spannende und actionreiche Szenen. Besonders zum Ende hin steigt die Spannung stark an.
Der Weltenbau ist ebenfalls ein großes Highlight. Die Geschichte spielt im historischen England und ist durchzogen von Mythen, Sagen und Legenden. Ich fand es großartig, wie viele folkloristische Elemente eingebaut wurden. Hexen, Kobolde, Wassergeister, Fae, die wilde Jagd – alles wirkt frisch und überraschend. Es gibt bekannte Motive, aber sie werden auf eine Art erzählt, die sowohl märchenhaft als auch düster ist. Die kleinen poetischen Reime, die zwischendurch auftauchen, wirken zunächst harmlos, entwickeln sich aber nach und nach zu warnenden Hinweisen, was die Spannung clever steigert. Man merkt, wie viel Liebe hier in die Details geflossen ist.
Fazit:
„Waterwitch“ von Molly O’Neill ist ein wundervolles Fantasy-Abenteuer voller düsterer Märchenstimmung, liebenswerter Figuren und atmosphärischem Weltenbau. Ein Buch über Anderssein, Freundschaft und die Schönheit im Ungewöhnlichen. Es ist spannend, witzig und berührend zugleich; ein richtiges Lesehighlight. Wer Folklore, Hexen, Kobolde und clever geschriebene Figuren liebt, wird dieses Buch genauso verschlingen wie ich. Jenny Greenteeth, Temperance und Brackus haben sich sofort in mein Herz geschlichen – ich will unbedingt mehr von ihnen lesen! Absolute Leseempfehlung!
Meine Bewertung


Altersempfehlung und Zielgruppe
„Waterwitch“ von Molly O’Neill richtet sich an Leser*innen ab 12 Jahren, die Fantasy mit düsterer Märchenstimmung und Folklore lieben.
Besonders Fans von Hexen, Kobolden, Wassergeistern und cleveren, eigenwilligen Heldinnen kommen hier voll auf ihre Kosten.
Autor*in
Molly O’Neill wurde in den Cotswolds geboren und ist 2019 nach Australien gezogen. Heute lebt sie in Sydney. Sie schreibt Fantasybücher und lässt sich nicht nur von der wunderschönen Landschaft ihrer beider Länder inspirieren, sondern auch von der britischen Folklore. Vor allem die düsteren Sagen um König Arthur und die walisischen Mythen des Mabinogion haben es ihr angetan. „Greenteeth“ ist ihr Debütroman.
(Quelle + Infos: https://www.piper.de/autoren/molly-oneill-7303)
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