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Frankfurter Buchmesse
Neue Akkreditierungsregeln für Buchblogger*innen – meine Gedanken zu den aktuellen Änderungen
In den letzten Tagen bin ich in der Buchbubble immer wieder über Diskussionen zu den neuen Akkreditierungsbedingungen der Frankfurter Buchmesse gestolpert – an vielen Stellen, manchmal sehr unterschiedlich bewertet. Vor allem unter Buchblogger*innen, Bookstagrammer*innen und anderen Content Creator*innen sorgten die Änderungen für Unsicherheit und viele Fragen.
Werden kleinere Buchblogs künftig benachteiligt? Muss man nun eine bestimmte Reichweite haben? Und wie stark unterscheiden sich die neuen Regeln eigentlich von denen der vergangenen Jahre?
Da ich selbst inzwischen seit 2012 blogge und die Entwicklung der Buchblog-Szene über viele Jahre miterlebt habe, habe ich mir die Änderungen einmal genauer angeschaut.
Die Buchbubble hat sich verändert
Als ich 2012 mit dem Bloggen begonnen habe, war vieles noch ganz anders.
BookTok gab es noch nicht, Bookstagram spielte noch kaum eine Rolle und die meisten Buchblogger*innen veröffentlichten ihre Rezensionen auf ihren eigenen Webseiten. Man schrieb Rezensionen, stellte Neuerscheinungen vor, führte vielleicht einmal ein Interview oder berichtete über eine Lesung.
Mit den Jahren hat sich die Buchwelt jedoch enorm verändert.
Heute findet man Buchcontent überall – auf Blogs, Instagram, TikTok, YouTube oder in Podcasts. Die Buchbubble ist gewachsen, aber vor allem auch vielschichtiger geworden. Manchmal merke ich bei mir selbst, dass mir das alles fast schon zu viel wird. So viele Plattformen, so viele Eindrücke, so viele Informationen auf einmal.
Das ist einerseits eine enorme Bereicherung, bringt aber auch eine neue Dynamik mit sich: deutlich mehr Menschen berichten regelmäßig und teilweise auch immer schneller über Bücher.
Vor diesem Hintergrund überrascht es mich ehrlich gesagt nicht, dass auch die Frankfurter Buchmesse ihre Akkreditierungsrichtlinien angepasst hat. Die Zahl der Anträge dürfte in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen sein und natürlich braucht es irgendwann Kriterien, nach denen diese bewertet werden können.
Meine Verbindung zur Frankfurter Buchmesse
Viele Jahre gehörte die Frankfurter Buchmesse – soweit es meine Gesundheit zuließ – einfach zu meinem Bücherherbst dazu.
Meist war ich donnerstags und freitags auf der Messe unterwegs. Zwischen Verlagsständen, Veranstaltungen und Gesprächen verging die Zeit jedes Mal viel zu schnell.
Der Samstag gehörte dagegen schon seit 2013 dem BuCon.
Der BuCon – kurz für BuchmesseCon – findet traditionell parallel zur Frankfurter Buchmesse in Dreieich statt und ist die größte deutschsprachige Veranstaltung rund um fantastische Literatur.
Während auf der Frankfurter Buchmesse das gesamte Verlagsprogramm im Mittelpunkt steht, dreht sich auf dem BuCon alles um Fantasy, Science Fiction, Horror und andere fantastische Geschichten.
Für mich gehören beide Veranstaltungen inzwischen einfach zusammen. Erst die Frankfurter Buchmesse, dann der BuCon – so sah mein Messewochenende viele Jahre aus.
Leider musste ich 2015 aufgrund meiner Nierentransplantation pausieren. In den Jahren danach wurde es gesundheitlich zunehmend schwieriger. Die langen Messetage, die vielen Menschen und das ständige Unterwegssein kosteten immer mehr Kraft sodass ich später nur noch eingeschränkt oder zuletzt gar nicht mehr zur Messe fahren konnte.
Die Frankfurter Buchmesse lebt von Begegnungen
Wenn mich jemand fragen würde, was für mich das Schönste an der Frankfurter Buchmesse ist, würde meine Antwort wahrscheinlich gar nicht „die Bücher“ lauten.
Natürlich liebe ich es, durch die Hallen zu schlendern, Neuerscheinungen zu entdecken und in den Vorschauen der Verlage zu stöbern.
Aber was die Messe wirklich besonders macht, sind die Menschen.
Ich weiß gar nicht mehr, mit wie vielen Bloggerinnen und Bloggern ich inzwischen seit Jahren schreibe. Manche kenne ich tatsächlich nur über Kommentare oder Social Media. Und dann steht man plötzlich gemeinsam auf der Frankfurter Buchmesse und unterhält sich, als würde man sich schon ewig persönlich kennen. Aus einem Online-Kontakt werden echte Gespräche, gemeinsames Lachen und manchmal sogar Freundschaften.
Ähnlich ist es mit Autorinnen und Autoren. Manche begleitet man schon lange über Social Media oder über ihre Bücher hinweg, andere lernt man spontan auf der Messe kennen und entdeckt dadurch Bücher, die man sonst vielleicht nie gelesen hätte.
Genauso gehören für mich die Gespräche mit den Verlagen dazu. Mit den Menschen, die hinter den Büchern stehen, Programme zusammenstellen, Veranstaltungen organisieren oder Blogger betreuen. Gerade diese Gespräche finde ich jedes Jahr unglaublich spannend.
Diese persönlichen Begegnungen lassen sich nur schwer in Worte fassen. Zumindest geht es mir jedes Mal so.

Eine Messe im Wandel
Auch die Frankfurter Buchmesse selbst hat sich stark verändert.
Neben klassischen Verlagsständen gibt es heute immer mehr Bereiche für Content Creator*innen: liebevoll gestaltete Fotospots, Blogger*innen- und Influencer*innen-Treffen, organisierte Meet & Greetsoder gezielte Social-Media-Aktionen.
Die Messe hat sich geöffnet und reagiert damit auf eine Buchwelt, die längst nicht mehr nur aus klassischen Medien besteht.
Die Entwicklung der Akkreditierung im Überblick
Um zu verstehen, warum die aktuellen Änderungen so intensiv diskutiert werden, lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre.
📖 Entwicklung der Akkreditierung (vereinfacht dargestellt)
ca. 2012–2016
Buchblogger*innen werden zunehmend als relevante Stimme in der Buchbranche wahrgenommen. Die Akkreditierung erfolgt vergleichsweise unkompliziert und basiert vor allem auf aktiven, thematisch passenden Blogs.
2016
Buchblogger*innen sind fester Bestandteil der Messe. Es wird bereits von mehreren tausend akkreditierten Blogger*innen berichtet.
bis ca. 2022
Es gelten allgemeine Kriterien wie Impressum, Branchenbezug und regelmäßige Beiträge. Eine feste Mindestanzahl an Beiträgen gibt es nicht.
2022
Blogger*innen erhalten eine eigene Kategorie. Voraussetzungen sind u. a. ein mindestens sechs Monate bestehender Blog, regelmäßige Inhalte im aktuellen Jahr und ein professioneller Auftritt.
2025/2026
Alle Blogger*innen, Bookstagrammer*innen, BookToker*innen, YouTuber*innen oder Podcaster*innen werden unter dem Begriff „Content Creator*innen“ zusammengefasst. Wer sich akkreditieren möchte, muss unter anderem nachweisen,
• dass der eigene Kanal seit mindestens sechs Monaten besteht,
• dass regelmäßig aktuelle Inhalte veröffentlicht werden,
• dass seit der letzten Frankfurter Buchmesse mindestens zwölf Beiträge erschienen sind,
• dass der Kanal eindeutig der antragstellenden Person zugeordnet werden kann,
• und dass die Inhalte den Qualitätsstandards der Frankfurter Buchmesse entsprechen.
Zusätzlich wird von einem professionellen Erscheinungsbild sowie einer gewissen Reichweite gesprochen.
Gerade dieser Punkt sorgt aktuell für die meisten Diskussionen.
Was bedeutet das für kleinere Buchblogs?
Ich kann beide Seiten durchaus verstehen.
Einerseits ist die Zahl der Content Creator*innen in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Natürlich braucht die Frankfurter Buchmesse Kriterien, um die vielen Akkreditierungsanträge bewerten zu können.
Andererseits betreiben viele Buchblogger*innen ihre Seiten seit Jahren mit unglaublich viel Herzblut.
Nicht jeder veröffentlicht täglich mehrere Beiträge oder erreicht tausende Menschen auf verschiedenen Plattformen. Viele bloggen neben ihrem Beruf oder ihrer Familie, weil Bücher ihre Leidenschaft sind.
Gerade diese kleineren und mittelgroßen Buchblogs tragen seit Jahren dazu bei, Bücher sichtbar zu machen, Autorinnen und Autoren zu unterstützen und Leserinnen und Leser für Geschichten zu begeistern.
Ob und wie die Frankfurter Buchmesse die neuen Kriterien in der Praxis auslegt, wird sich vermutlich erst in den kommenden Jahren zeigen. Gerade für kleinere und mittelgroße Buchblogs bleibt die Frage spannend, welche Rolle Reichweite tatsächlich spielt und wie die einzelnen Kriterien bewertet werden. Eine Garantie auf Akkreditierung gibt es letztlich für niemanden.

Persönliches Fazit
Ich finde es nachvollziehbar, dass die Frankfurter Buchmesse ihre Richtlinien an eine veränderte Medienlandschaft anpasst.
Gleichzeitig wünsche ich mir aber, dass dabei nicht vergessen wird, wie vielfältig die Buchcommunity ist, wie viel Leidenschaft, Zeit und Herzblut in vielen Buchblogs steckt.
Nicht jeder bloggt täglich oder erreicht große Reichweiten. Viele teilen ihre Liebe zu Büchern in ihrem eigenen Tempo – und genau diese Vielfalt macht die Buchwelt aus.
Für mich bleibt die Frankfurter Buchmesse vor allem ein Ort der Begegnungen. Ein Ort, an dem aus Online-Kontakten echte Gespräche werden, an dem neue Bücher entdeckt werden und an dem Menschen zusammenkommen, die dieselbe Leidenschaft teilen.
Und vielleicht ist genau das am Ende wichtiger als jede Richtlinie.
Ich hoffe sehr, dass genau dieses Miteinander auch in Zukunft im Mittelpunkt stehen wird.
Ihr seid gefragt!
Wie seht ihr die neuen Akkreditierungsbedingungen? Könnt ihr die Änderungen nachvollziehen oder macht ihr euch ebenfalls Gedanken darüber, welche Auswirkungen sie künftig haben könnten?
Ich freue mich wie immer auf eure Meinungen in den Kommentaren!
Rechtliche Informationen sind meinem Impressum zu entnehmen.



