Transparenz:
“Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden …” von Christian Handel, erschienen bei Piper Verlag, ist ein Rezensionsexemplar, das mir vom Verlag als Hardcover kostenlos für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt wurde. Die kostenlose Bereitstellung des Buches hat meine Meinung in keiner Weise beeinflusst. Meine Rezension spiegelt ausschließlich meine eigenen Eindrücke wider. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Exemplars.
Über das Buch

Autor*in: Christian Handel
Originaltitel: Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden …
Reihe | Band: –
Verlag: Piper (31. Oktober 2025)
Seiten | Format: 384 Seiten | Gebundene Ausgabe
ISBN: 978-3492707800
Genre: Fairy Tale Fantasy, Märchenadaption
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Umschlaggestaltung: zero-media.net, München
Worum geht es im Buch?
Ein Königsschloss, eine verschmähte Fee, ein finsterer Fluch!
Vor sieben Jahren, als das Königsschloss in einen verfluchten Dornröschenschlaf fiel, verlor die junge Bedienstete Kaelith alles – ihre Eltern, ihre beste Freundin, ihr Zuhause. Seitdem lebt sie mit der Schuld, allein dem Feenfluch entkommen zu sein. Als eine geheimnisvolle Fremde ihr weissagt, den Fluch brechen zu können, gerät Kaeliths Welt ins Wanken. Es gibt nur einen, der ihr helfen kann: der Magier Thorn, von dem hinter vorgehaltener Hand behauptet wird, er paktiere mit den Feen. Auf nebligen Pfaden, durch schimmernde Wälder und über flüsternde Seen begleitet er Kaelith bis in das Herz des Feenreichs, wo der Fluch seinen Ursprung nahm und der Rat der Dreizehn über Leben und Tod entscheidet …
Eine romantisch-düstere Neuerzählung des Märchens „Dornröschen“!
Coverabbildung und Inhaltsangabe: © Piper Verlag | Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden … – Christian Handel
Tropes
Tropes – diese Story-Elemente erwarten dich:
- Dark Fairy Tale Retelling (inspiriert von „Dornröschen“)
- Fair Folk
- Cursed Kingdom
- Quest
- Found Family
- Forbidden Magic
- Magical Forest
- Slow Burn Romance
- Haters to Lovers
- Deadly Trials
- Ancient Prophecy
- Hidden Truths
Meine Meinung zu „Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden …“
„Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden …“ von Christian Handel ist eine magisch-düstere Fantasy-Märchenadaption, die das bekannte Märchen „Dornröschen“ der Gebrüder Grimm auf ganz besondere Weise neu erzählt. Nachdem ich bereits die anderen Märchenadaptionen von Christian Handel regelrecht verschlungen habe, musste ich dieses Buch natürlich ebenfalls lesen. Ich war gespannt, welche Ideen er diesmal mit dem bekannten Märchen verbinden würde. Und was soll ich sagen? Schon nach wenigen Seiten hat mich die Geschichte wieder völlig in ihren Bann gezogen.
Vor sieben Jahren fiel das Königsschloss einem mächtigen Feenfluch zum Opfer. Während die Prinzessin Elarose, ihre Familie und alle Bewohner in einen tiefen Dornröschenschlaf versanken, blieb ausgerechnet die junge Bedienstete Kaelith verschont. Seit diesem Tag trägt sie eine schwere Last auf ihren Schultern. Ihre Eltern, ihre beste Freundin und ihre gesamte Vergangenheit liegen hinter einer undurchdringlichen Dornenhecke gefangen. Als eine geheimnisvolle Fremde ihr weissagt, dass nur sie den Fluch brechen kann, macht sie sich gemeinsam mit dem rätselhaften Magier Thorn auf den Weg in das Reich der Feen. Doch diese Reise führt sie nicht nur durch verwunschene Wälder und über geheimnisvolle Seen, sondern auch zu uralten Wahrheiten, gefährlichen Wesen und Entscheidungen, die ihren Mut und ihr Herz gleichermaßen auf die Probe stellen.
Schon nach wenigen Seiten war ich wieder komplett in Christians märchenhafter Welt versunken. Ich liebe es einfach, wie er bekannte Märchen aufgreift und daraus etwas völlig Eigenes erschafft. Dabei bleibt der Kern der Vorlage erhalten, während gleichzeitig eine eigenständige Geschichte entsteht, die überrascht, berührt und bis zum Ende fesselt. Gerade die Idee, Dornröschen einmal aus der Sicht einer einfachen Schlossbediensteten zu erzählen, fand ich unglaublich gelungen.
Kaelith war mir sofort sympathisch. Sie ist mutig, loyal und warmherzig, gleichzeitig aber auch voller Zweifel und Schuldgefühle. Genau das macht sie so greifbar. Sie ist keine unfehlbare Heldin, sondern eine junge Frau, die lernen muss, mit ihrer Vergangenheit zu leben und über sich hinauszuwachsen. Ihre Entwicklung gehört für mich zu den größten Stärken des Buches. Schritt für Schritt gewinnt sie an Selbstvertrauen, ohne dabei jemals ihre Menschlichkeit zu verlieren.
Auch Thorn mochte ich von Anfang an unglaublich gerne. Anfangs bleibt er geheimnisvoll und undurchschaubar, sodass man nie genau weiß, welche Absichten er verfolgt. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr wächst er einem ans Herz. Besonders das Zusammenspiel zwischen ihm und Kaelith hat mir sehr gefallen. Die beiden ergänzen sich wunderbar und die sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte fügt sich ganz natürlich in die Handlung ein, ohne jemals im Vordergrund zu stehen.
Doch nicht nur Kaelith und Thorn haben mir gut gefallen. Die vielen Nebencharaktere und Wesen machen diese Geschichte zu etwas ganz Besonderem. Ganz besonders fasziniert hat mich das Moorvolk. Diese Wesen haben mich vollkommen in ihren Bann gezogen. Grüne Männer und Weidenmädchen, Birkenjungen und Moosweiblein – jedes von ihnen ist auf seine eigene Weise einzigartig. Manche besitzen eine stark gemaserte Borkenhaut, aus ihren Köpfen wachsen statt Haaren Äste und Blätter, andere tragen blaugrünes Moos oder kleine Zweige, die wie Arme wirken. Christian Handel beschreibt sie so lebendig und detailreich, dass sie beim Lesen sofort vor meinem inneren Auge entstanden sind. Ich hätte so gerne noch viel mehr Zeit mit ihnen verbracht und noch mehr über sie erfahren.
Überhaupt sprüht dieses Buch nur so vor wunderbaren Ideen. Überall begegnen einem außergewöhnliche Wesen, die ebenso faszinierend wie geheimnisvoll sind. Silberamseln, Krallwurz, Nixen und viele weitere Kreaturen verleihen der Geschichte ihren ganz eigenen Zauber. Jedes Wesen wirkt durchdacht und fügt sich ganz natürlich in diese märchenhafte Welt ein. Genau diese Liebe zum Detail macht Christian Handels Geschichten für mich jedes Mal zu etwas ganz Besonderem.
Aber auch die Feen gehören für mich zu den absoluten Highlights des Buches. Christian Handel zeichnet sie nicht als freundliche, zarte Wesen, sondern als uralte, mächtige Geschöpfe, die nach ihren ganz eigenen Gesetzen leben. Sie sind wunderschön und erschreckend zugleich, geheimnisvoll, stolz und oft nur schwer zu durchschauen. Ihre Entscheidungen folgen einer Logik, die den Menschen fremd ist. Genau das macht sie so faszinierend. Besonders der Rat der Dreizehn verleiht der Geschichte eine geheimnisvolle und beinahe ehrfurchtgebietende Atmosphäre. Besonders gefallen hat mir, dass jede der Dreizehn Feen ihre ganz eigene Persönlichkeit besitzt. Keine gleicht der anderen. Manche wirken beinahe gütig, andere unnahbar oder sogar furchteinflößend. Gerade diese Unterschiede machen jede Begegnung mit ihnen so spannend, weil man nie weiß, was einen erwartet. Und man kann sich nie sicher sein, welche Absichten sie wirklich verfolgen oder welchen Preis ihre Hilfe letztlich fordert.
Am meisten beeindruckt hat mich jedoch wieder einmal der Weltenbau. Nach und nach entfaltet sich eine märchenhafte, zugleich düstere Welt voller Geheimnisse, die ich am liebsten gar nicht mehr verlassen hätte. Christian Handel erschafft eine Atmosphäre, die gleichzeitig wunderschön und unheimlich ist. Die schimmernden Wälder, die nebligen Pfade, der geheimnisvolle Nebelsee und das beeindruckende Feenreich haben mich vollkommen verzaubert.
„Irgendwann lichtet sich der Dunst. Vor uns breitet sich eine gewaltige Landschaft aus Wasser aus, das in unzähligen Armen und Rinnsalen zwischen Bäumen und Wurzeln, gewaltigen Felsen und Hügeln mäandert. Blattlose, knorrige Weiden stehen im sumpfigen Grund, ihre Zweige hängen herab wie zerzauste Haare. Die Ufer sind unübersichtlich. Keine klare Linie trennt das Land vom See, alles geht ineinander über. Obwohl das Wasser still zu stehen scheint, kann ich es irgendwo plätschern hören. Und ist das ein Tier, das diese Geräusche macht? Lang gezogene Noten hallen zu uns, fast wie Gesang.“ (Christian Handel, „Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden …“, S. 91)
Genau bei solchen Beschreibungen merke ich immer wieder, warum ich Christians Geschichten so liebe. Ich hatte das Gefühl, selbst am Ufer dieses geheimnisvollen Nebelsees zu stehen und den Nebel langsam über das Wasser ziehen zu sehen.
Ebenso eindrucksvoll fand ich die Begegnung mit der Nixe. Sie ist alles andere als die wunderschöne Wasserfrau aus bekannten Märchen, sondern wirkt unheimlich, fremdartig und beinahe albtraumhaft.
„Er enthüllt die Nixe. Verzerrt von den Fluten erscheint ihr Gesicht in der Tiefe: blassgraue Haut und blutrote Augen. Sie weicht vor Thorns Kugel zurück, als versetzte sie das Feuer in Angst. Sie verzerrt ihre dünnen Lippen wie zu einem Schrei und enthüllt dabei nadelspitze, faulig-schwarze Zähne. Um ihren knochigen Schädel wirbeln ein paar vereinzelte Haarsträhnen, dunkelgrün wie Algen. Sie winden sich, als hätten sie ein Eigenleben.“ (Christian Handel, „Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden …“, S. 99)
Christian Handel schafft es einfach meisterhaft, Schönheit und Schrecken miteinander zu verbinden und den Leser*innen einen wohligen Schauer über den Rücken laufen zu lassen.
Besonders spannend fand ich auch die Magie dieser Welt. Sie wirkt uralt, geheimnisvoll und tief mit der Welt verwurzelt. Wünsche, Namen, Versprechen und Flüche besitzen eine ungeheure Macht. Nichts geschieht zufällig und jede Entscheidung hat ihren Preis. Ich mag diese Art von Magie einfach unheimlich gerne. Sie wirkt ursprünglich und folgt ihren ganz eigenen Regeln.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Kaelith. Dadurch erlebt man ihre Ängste, ihre Hoffnungen und ihre Zweifel besonders intensiv mit. Gleichzeitig bleibt vieles rund um die Feenwelt lange im Verborgenen, wodurch die Spannung konstant hoch bleibt. Immer wieder überraschen unerwartete Wendungen, die dafür sorgen, dass die Geschichte niemals vorhersehbar wird. Ich habe mit Kaelith gehofft, gezittert, gelitten und mitgefiebert. Es gab Momente voller Gänsehaut, berührende Szenen, traurige Augenblicke und immer wieder diese leise Hoffnung, dass sich am Ende doch noch alles zum Guten wenden könnte.
Christian Handels Schreibstil begeistert mich jedes Mal aufs Neue. Er schreibt leicht verständlich und gleichzeitig unglaublich bildgewaltig. Mit seinen Worten erschafft er lebendige Bilder, seine Sprache ist märchenhaft und poetisch zugleich. Seine Beschreibungen wirken niemals überladen, sondern ziehen einen ganz sanft in diese wundervolle Welt hinein. Ich liebe seinen Einfallsreichtum und die vielen kleinen Details, die seine Geschichten so einzigartig machen. Gleichzeitig gelingt es ihm, große Emotionen einzufangen und den Figuren viel Tiefe zu verleihen. Zwischen den Zeilen erzählt er von Schuld, Hoffnung, Mut, Vertrauen und der Frage, wie viel man bereit ist zu opfern, um die Menschen zu retten, die einem am Herzen liegen.
Fazit:
„Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden …“ von Christian Handel ist für mich ein wunderschönes, atmosphärisches und zutiefst berührendes Dornröschen-Retelling, das mich von der ersten bis zur letzten Seite vollkommen verzaubert hat. Die faszinierende Feenwelt, die außergewöhnlichen Wesen, der märchenhafte Weltenbau, die vielschichtigen Charaktere und die geheimnisvolle Magie ergeben zusammen eine Geschichte, die lange nachhallt. Besonders das Moorvolk, die schimmernden Wälder, der Nebelsee und all die liebevoll erdachten magischen Wesen haben mich restlos begeistert. Christian Handel beweist einmal mehr, warum er für mich zu den besten Autoren moderner Märchenadaptionen gehört. Eine absolute Leseempfehlung für alle, die märchenhafte Fantasy mit einer dunklen, geheimnisvollen Note lieben!
Meine Bewertung


Altersempfehlung und Zielgruppe
Ich empfehle „Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden …“ von Christian Handel Leser*innen ab etwa 14 Jahren, die märchenhafte Fantasy mit einer düsteren Atmosphäre lieben. Die Geschichte lebt weniger von actionreichen Kämpfen als von ihrer geheimnisvollen Welt, den vielschichtigen Charakteren und einer Magie, die ihren ganz eigenen Regeln folgt.
Wer Märchenadaptionen, verwunschene Wälder, uralte Feen, geheimnisvolle Wesen und atmosphärische Fantasy voller Magie, Spannung und Emotionen mag, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Auch Fans von Christian Handels bisherigen Märchenadaptionen oder von Geschichten mit einer langsam entstehenden Romance und einem starken Fokus auf Weltenbau dürften dieses Buch lieben.

Autor*in
Christian Handel wurde in der Schneewittchen-Stadt Lohr am Main geboren, die im sagenumwobenen Spessart liegt. Inzwischen lebt er allerdings in Berlin und ist selbst davon überrascht, wie sehr er sich als Landpflanze im Großstadtdschungel wohlfühlt. Er begeistert sich für Stoffe über starke Frauen, märchenhafte Motive und queere Themen. Die von ihm herausgegebene Anthologie „Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln“ wurde 2017 mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien sein Märchenfantasyroman „Schattengold – Ach, wie gut, dass niemand weiß …“, der 2023 auf die Longlist für den Phantastikpreis der Stadt Wetzlar gewählt wurde.
(Quelle + Infos: https://www.piper.de/autoren/christian-handel-6939)
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Ich hoffe, meine Rezension hat dir gefallen und dich neugierig gemacht.
Hast du „Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden …“ von Christian Handel bereits gelesen oder steht das Buch noch auf deiner Wunschliste?
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