Transparenz:
Dieser Beitrag entstand freiwillig und aus persönlichem Interesse im Rahmen meines Besuchs der Lesungsreihe „Literatur im Lindenwirt“ von Robert Corvus. Der Bericht enthält meine persönlichen Eindrücke, Erfahrungen und Fotos rund um die Veranstaltung mit Bernhard Hennen vom 13. August 2026.
Ich war als Bloggerin vor Ort und erhielt im Rahmen dessen freien Eintritt zur Veranstaltung. Außerdem durfte ich während meines Aufenthalts wieder als Gast bei Robert Corvus beziehungsweise Bernd Robker, wie ich ihn privat kenne, übernachten.
Der Beitrag ist weder bezahlt noch gesponsert. Da jedoch die Veranstaltung, die Autoren sowie weiterführende Informationen und Ticketmöglichkeiten genannt und verlinkt werden, kennzeichne ich diesen Beitrag vorsorglich als Werbung. Meine Meinung bleibt davon selbstverständlich unbeeinflusst.
Persönlicher Eventbericht
Literatur im Lindenwirt – Bernhard Hennen – Fantasy Lesung
Irgendwie beginnt eine Veranstaltung bei „Literatur im Lindenwirt“ für mich inzwischen nie erst dann, wenn der eigentliche Gast die Bühne betritt.
Wie bereits zur Premierenlesung mit Robert Corvus im Mai bin ich auch dieses Mal schon am Dienstag angereist. Da rund 350 Kilometer zwischen uns liegen, ging es wieder frühmorgens mit dem Zug von Frankfurt a. M. nach Osnabrück.
Zumindest theoretisch nach Fahrplan.
Mein Zug sollte gegen 4:45 Uhr in Frankfurt a. M. starten und mich ungefähr gegen 8:30 Uhr nach Osnabrück bringen. Allerdings hatte er bereits bei meiner Abfahrt etwa 20 Minuten Verspätung. Unterwegs kamen noch einige weitere ungeplante Zwischenstopps hinzu und so erreichte ich Osnabrück am Ende ungefähr eine Stunde später als ursprünglich geplant.
Aber gut. Ich hielt Robert unterwegs immer wieder auf dem Laufenden, wo ich gerade festhing und wann ungefähr mit mir zu rechnen war. Irgendwann kam ich dann schließlich doch noch in Osnabrück an und wurde wieder von ihm am Bahnhof abgeholt.

Wie schon bei meinem letzten Aufenthalt ging es zunächst schnell noch einkaufen und zum Bäcker. Anschließend haben wir gemeinsam gefrühstückt, ich habe meine Sachen ausgepackt und mich wieder in einem der Gästezimmer eingerichtet.
Und dann hieß es auch schon wieder: Tische rücken! Denn obwohl bis Donnerstag noch etwas Zeit war, gab es natürlich bereits wieder einiges vorzubereiten. Also haben wir Tische und Stühle gestellt, Tischdecken aufgelegt, Gläser verteilt und die Getränkevorräte kontrolliert. Ganz fertig konnten wir den Saal allerdings noch nicht herrichten, denn dienstags und donnerstags findet dort das Training der Line Dance-Gruppe „Easy Liner“ statt. Der Lindenwirt wird schließlich nicht ausschließlich für die Lesungen genutzt, sondern ist auch darüber hinaus wieder ein Ort, an dem verschiedene Gruppen zusammenkommen.
Für eine kleine Überraschung sorgte am Dienstagmittag noch eine ganze Horde Fahrräder, die plötzlich auf den Hof rollte. Während Robert und ich gerade gemütlich in der Küche saßen und Eis aßen, zählte ich aus dem Fenster nur noch: ein Fahrrad, zwei Fahrräder, drei Fahrräder … und irgendwie wurden es immer mehr. Was ging hier vor sich?
Wie sich herausstellte, war ein weitläufiger Verwandter von Robert mit seiner Fahrradgruppe unterwegs und hatte spontan einen Abstecher zum Lindenwirt gemacht. Also wurde die ehemalige Gastwirtschaft kurzerhand für die Truppe noch einmal privat geöffnet, die lustige Runde konnte ein wenig verschnaufen und wurde mit kühlen Getränken versorgt. Anschließend zeigte Robert ihnen ein wenig die Räumlichkeiten, bevor die Truppe auch schon wieder weiterzog.

Am Abend waren Robert und ich dann wieder gemeinsam asiatisch essen, bevor um 21 Uhr sein regulärer Live-Stream anstand. Mittlerweile war ich nun schon zum dritten Mal live mit vor der Kamera.
Und ich muss sagen, dass ich inzwischen wesentlich entspannter bin als bei meinem ersten Auftritt. Einige Menschen aus dem Stream, bzw. dessen Chat durfte ich bei der Premiere ja persönlich kennenlernen und Robert gestaltet seine Streams ohnehin immer ziemlich locker. Natürlich inklusive der einen oder anderen Piesackerei seinerseits. Aber das war ja nicht anders zu erwarten und kenne ich nun ja schon. *lach*
Was mir während meines Aufenthalts dieses Mal jedoch absolute Herzensmomente beschert hat, war ein kleines Stück Natur direkt vor meinem Fenster.
Vor meinem Gästezimmer steht eine der großen Linden, die das Grundstück umgeben. Und ausgerechnet dort, nur wenige Meter von mir entfernt, befand sich ein Nest mit zwei jungen Ringeltauben.
Die beiden waren schon recht groß und vermutlich gar nicht mehr allzu weit davon entfernt, in der nächsten Zeit flügge zu werden. Während meines Aufenthalts konnte ich sie immer wieder ganz gemütlich vom Bett aus beobachten.

Mein persönliches Highlight war jedoch, die Mutter beim Füttern der beiden beobachten zu können. Dieses ganze Gewusel im Nest, wenn beide gleichzeitig etwas haben möchten und es hin und her geht, einmal aus nächster Nähe und mit eigenen Augen zu erleben, war einfach etwas ganz Besonderes. Natürlich musste ich da auch das ein oder andere Mal mit der Kamera draufhalten.
Selbst Robert war völlig überrascht, weil er bis dahin gar nicht bemerkt hatte, dass direkt dort ein Vogelnest war.
Überhaupt liebe ich sein Grundstück und die Umgebung einfach total. Die Ruhe, die vielen kleinen und größeren Gehöfte und die viele Natur ringsherum sind etwas, das ich bei mir momentan sehr vermisse – wenngleich ich jetzt auch nicht unmittelbar in der Stadt wohne.
Am Mittwochmorgen stand für mich dann erst einmal wieder die Dialyse in Bramsche an. Auch das war dieses Mal wesentlich entspannter, weil man mich dort inzwischen schon von meinem letzten Aufenthalt kannte. Einige konnten sich tatsächlich noch an mich erinnern und haben sich gefreut, dass ich wieder da war.
Robert brachte mich morgens hin und holte mich später wieder ab. Dieses Mal kam er allerdings nicht alleine, sondern gemeinsam mit seiner Tante, die er extra abgeholt hatte, weil sie unbedingt bei der Lesung mit Bernhard Hennen dabei sein wollte und somit die kommenden Tage gemeinsam mit uns verbrachte.
Darüber habe ich mich sehr gefreut, da ich bereits einiges über sie gehört und auch das ein oder andere Foto gesehen hatte, sie nun aber endlich persönlich kennenlernen durfte. Seine Tante ist Ordensschwester und eine wirklich herzensgute und unglaublich sympathische Frau. Obwohl sie schon etwas älter ist, ist sie erstaunlich fit, interessiert sich für die unterschiedlichsten Dinge und man kann sich wunderbar mit ihr unterhalten. Wir haben uns meiner Meinung nach auf Anhieb gut verstanden, uns viel unterhalten und auch jede Menge gelacht.

Den restlichen Mittwoch ließen wir vergleichsweise ruhig angehen. Während seine Tante und ich im Garten saßen, hat Robert noch diverse private Sachen sowie Dinge für die Veranstaltung erledigt. Abends ging es dann in Bramsche essen. Und ich muss sagen, ich habe noch nie einen Burger mit Messer und Gabel gegessen. Es war ein merkwürdiger Anblick, denn der Burger war von seiner Form her zwar normal groß, dafür aber derart hoch aufgetürmt, dass er mit einem Spieß zusammengehalten wurde. Und das Messer…?! Das Messer war ein ganzer Säbel, demnach sah mein Teller eher wie ein Schlachtfeld aus, da der ganze Burger in sich zusammengefallen und zerstückelt da lag. Wir haben uns köstlich amüsiert.
Nach dem kleinen Gemetzel auf meinem Teller wurde es anschließend thematisch auch nicht unbedingt leichter. lach Denn zurück im Lindenwirt gab es für uns noch eine kleine „Privatvorstellung“ im Lesungssaal. Zu dritt machten wir es uns vor der großen Leinwand gemütlich und schauten „Die Wannseekonferenz“. Irgendwie hatte das etwas von Kino – nur eben als ganz exklusive Privatvorstellung. Schon ein ziemlich cooles Gefühl, dort gemütlich einen Film zu schauen, wenn man weiß, dass genau dieser Saal am nächsten Abend wieder voller Menschen sein würde.

Donnerstagmorgen starteten wir zunächst auch ziemlich entspannt mit einem ausgiebigen Frühstück im Garten. Eigentlich wollten wir den Tag genauso ruhig angehen lassen.
Eigentlich. Denn gegen 10 Uhr standen bereits die ersten Veranstaltungsgäste samt Wohnwagen auf dem Grundstück. Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Sie sind jedoch wegen ihres Babys, der Hitze und Anfahrtszeit so früh gestartet.
Ich war gerade im Bad und selbst noch nicht einmal komplett fertig, als Robert mich nach unten rief, mir unsere frühen Gäste vorstellte und mich bat, mich doch bitte um sie zu kümmern, da er noch einiges zu tun hatte.
Also habe ich mich beeilt und noch fix fertig gemacht und ihnen anschließend eine private Führung über das Grundstück und auch durchs Haus gegeben. Dabei waren mir das Strahlen und die Aufregung in den Augen der beiden nicht entgangen.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich Robert Corvus das erste Mal zuhause besucht habe. Den Mann und Autor, den man sonst nur immer mal sporadisch auf Messen gesehen oder im Livestream verfolgt hat, plötzlich ganz privat zu erleben. Und dabei selbst an dem Ort, an dem all die Geschichten entstehen, zu stehen. Das ist zunächst schon ein etwas unwirkliches Gefühl.
Während Robert anschließend weiter herumwuselte und die letzten Vorbereitungen erledigte, versuchte ich einfach dort mitzuhelfen, wo gerade jemand gebraucht wurde. Da das Baby im Garten nicht zur Ruhe kam und es im Wohnwagen viel zu heiß war, habe ich angeboten den Kleinen in meinem Gästezimmer aufs Bett zu betten, was dankbar angenommen wurde. Denn in dem Raum war es verhältnismäßig kühl.
Der absolute Knaller war jedoch, als Robert plötzlich in knallbunten Shorts und Hawaii-Hemd dastand. *kreisch* Reggae-Feeling pur! So begrüßte er dann anschließend auch seine Gäste und das ein oder andere Schmunzeln war garantiert!

Gegen 16 Uhr kam dann auch Bernhard Hennen an. Dieser reiste nicht gerade mit leichtem Gepäck. Neben all seinen Büchern hatte er natürlich auch noch verschiedene Übungswaffen, Gambeson und Kettenhemd für das geplante Schwertkampfprogramm dabei.
Robert und Bernhard richteten schnell noch den Bücher-Präsentationstisch für Bernhard her, als auch schon ein weiterer Gast im Raum stand, der sich ebenfalls ein wenig mit Schwertkampf auskannte. Entsprechend schnell kamen Bernhard und er über das gemeinsame Hobby ins Gespräch – und natürlich blieb es nicht nur beim Reden. Schon vor Beginn wurde ein wenig ausprobiert und geübt.
Währenddessen trudelten immer mehr Gäste ein, welche ich in Empfang nahm und ihnen erst einmal etwas zu trinken anbot. Nach und nach füllte es sich immer mehr.
Und dann waren da natürlich noch die Linedance-Damen, die ja dienstags und donnerstags eigentlich von 18–20 Uhr trainieren, ihr Training aber extra etwa eine halbe Stunde früher beendeten, so dass Robert anfangen konnte, die restlichen Tische zu stellen.
Ebenfalls um 18 Uhr begann Bernhard Hennen draußen im Garten das Vorprogramm mit einer praktischen Einführung in die Welt des historischen Schwertkampfs.

Ich selbst konnte davon leider immer nur Teile am Stück verfolgen, weil ich eigentlich ständig zwischen Eingang zum Saal und Garten hin und her lief, weitere Gäste begrüßte und zum Vorprogramm leitete, ihnen Getränke anbot und schaute, ob irgendwo noch etwas gebraucht wurde.
Bernhard erzählte unter anderem, wie er überhaupt dazu gekommen war, sich praktisch mit Schwertkampf zu beschäftigen. Nachdem er für die Darstellung von Schwertkämpfen in einem seiner frühen Romane Kritik bekommen hatte, beschloss er, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aus der Recherche wurde allerdings ziemlich schnell deutlich mehr: Er begann selbst zu trainieren und war mehrere Jahre aktiv mit einer Schwertkampfgruppe unterwegs. Dabei sammelte er jede Menge praktische Erfahrungen, die natürlich wiederum Einfluss darauf hatten, wie er entsprechende Szenen später schrieb.
Er zeigte unter anderem seinen Gambeson und ein Kettenhemd, erklärte etwas zur Entwicklung von Rüstungen und demonstrierte anhand verschiedener Waffen und Trainingswaffen unterschiedliche Kampftechniken.
Dabei wurde schnell deutlich, dass historischer Schwertkampf sehr viel mehr bedeutet als einfach nur möglichst kräftig aufeinander einzuschlagen. Wie steht man seinem Gegner gegenüber? Wie bewegt man sich möglichst schnell und flexibel? Welche Positionen ermöglichen gleichzeitig Angriff und Verteidigung? Warum sind kleine, beinahe tänzelnde Schritte sinnvoll? Wie lässt sich ein Schild nicht nur zur Verteidigung, sondern sogar offensiv einsetzen? Und welche Schwierigkeiten entstehen beispielsweise, wenn ein Rechtshänder gegen einen Linkshänder kämpft?
Auch unterschiedliche Kombinationen wurden gezeigt – etwa Schwert und Schild oder der Einsatz einer zweiten Waffe beziehungsweise eines Parierdolchs.
Spannend fand ich außerdem seine Erklärungen zu bestimmten Kampfpositionen. Was für uns heute auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlich aussieht, lässt sich teilweise bereits in spätmittelalterlichen Fechtbüchern finden. Und manches ergibt plötzlich erstaunlich viel Sinn, sobald Bernhard erklärt, warum ein Kämpfer eine bestimmte Haltung einnimmt oder eine Bewegung auf eine ganz bestimmte Weise ausführt.
Ganz besonders interessant fand ich allerdings die Erklärung zum Klang von Schwertern. Wenn man in einem Fantasyroman liest, dass jemand seine Waffe am Klang erkennt, ist das offenbar tatsächlich einmal kein Fantasy-Quatsch. Wer lange mit einer bestimmten Klinge trainiert, kennt irgendwann auch ihr Schlaggeräusch. Unterschiedliche Schwerter klingen verschieden und so konnte Bernhard demonstrieren, wie manche Klingen beim Aufeinandertreffen regelrecht „singen“, während andere wesentlich dumpfer klingen.

Natürlich blieb es nicht bei der Theorie. Auch Freiwillige aus dem Publikum durften bestimmte Bewegungen und Techniken testen und sich mit Kunstschwertern bewaffnet Bernhard Hennen im Trainingskampf stellen und auf ihn eindreschen. Auch ein sehr junger Recke stellte sich Bernhard Hennen mutig entgegen und trat mit seinem eigenen Holzschwert gegen ihn an. Das war total goldig!
Es wurde erklärt, demonstriert, ausprobiert, gefragt und viel gelacht. Und Bernhard hatte dabei offensichtlich mindestens genauso viel Spaß wie seine Zuschauer.
Wer ihm bei seinen Bewegungen zusah, merkte außerdem schnell, dass Schwertkampf ziemlich anstrengend sein kann. Gerade mit Gambeson und Kettenhemd kommt schließlich noch einiges an Gewicht und Wärmeproduktion hinzu. Nach rund zwei Stunden war jedenfalls deutlich zu erkennen, dass dieses Vorprogramm nicht nur für die Zuschauer interessant, sondern für Bernhard durchaus auch sportlich gewesen war. Schließlich waren es zudem rund 32° C.
Nach diesem ungewöhnlichen Vorprogramm wechselten wir schließlich in den Saal. Robert zog sich noch schnell um und verabschiedete sich von seinem bunten Summer-Look, während Bernhard noch einmal flink unter die Dusche hüpfte, um sich frisch zu machen.
Gegen 20:15 Uhr begann die eigentliche Lesung. Robert begrüßte die Gäste, stellte Bernhard offiziell vor und bat ihn auf die Bühne.

Der erste Teil des Abends gehörte den „Chroniken von Azuhr“. Und schon hier wurde schnell deutlich, dass Bernhard Hennen unter Fantasy eben nicht einfach nur Geschichten über Magie, Drachen, Schwerter und fantastische Welten versteht.
Er erklärte, dass er seinen großen Fantasy-Zyklen gerne ein übergeordnetes Thema zugrunde legt, das aus unserem Hier und Jetzt stammt – denn fantastische Welten eignen sich hervorragend, um gesellschaftliche Fragen aus einem völlig anderen Blickwinkel zu betrachten.
Auch bei „Azuhr“ spielen genau solche Überlegungen eine wichtige Rolle.

Bernhard erzählte über die Entstehung der Reihe, ihre Hintergründe und Inspirationen. Dabei kam auch das besondere Setting zur Sprache, das an Süditalien zur Zeit der Renaissance erinnert und der Geschichte dieses mediterrane Flair verleiht. Gleichzeitig ging es um die Macht von Geschichten und darum, welchen Einfluss Erzählungen auf Menschen und ganze Gesellschaften haben können.
Was passiert, wenn Menschen bestimmte Geschichten glauben? Wie verändern Erzählungen unsere Wahrnehmung? Was geschieht, wenn Gerüchte oder Falschinformationen weitergetragen werden? Und welche Macht besitzen diejenigen, die solche Geschichten verbreiten?
In der anschließenden Fragerunde wurde Bernhard unter anderem gefragt, ob Erfahrungen mit Fake News oder ähnlichen Entwicklungen Einfluss auf „Azuhr“ gehabt hätten. Dabei wurde es kurz sehr persönlich.
Bernhard sprach darüber, dass auch er als Autor bereits Shitstorms erlebt habe und einer davon sogar bis in seine Familie hineingewirkt habe. Kritik am eigenen Werk oder an der eigenen Person gehöre bis zu einem gewissen Grad zum Beruf – wenn jedoch die Familie hineingezogen werde, sei für ihn eine Grenze erreicht.

Und genau solche Gespräche finde ich bei Lesungen immer besonders spannend. Denn natürlich möchte ich Autorinnen und Autoren aus ihren Büchern lesen hören. Aber mindestens genauso interessant finde ich es, etwas darüber zu erfahren, warum bestimmte Geschichten überhaupt entstanden sind, welche Gedanken dahinterstecken und welche persönlichen Erfahrungen vielleicht in eine fantastische Welt eingeflossen sind.
Nach der ersten Fragerunde zu „Azuhr“ ging es in die Pause.
Die Getränke standen wieder zur Selbstbedienung bereit. Wer etwas nahm, legte das entsprechende Geld einfach in das dafür vorgesehene Körbchen. Auch für die gemeinsame Essensbestellung ging wieder eine Liste, in die man seine Bestellung eintragen sowie eine Kasse herum, in die jeder das Geld für seine Bestellung legen konnte. Einfach, unkompliziert und auf Vertrauensbasis – und es funktionierte erneut hervorragend.

Währenddessen begann Bernhard bereits damit, Bücher zu signieren. Was wiederum zu einem kleinen Luxusproblem führte: Die Schlange war einfach zu lang. Es wollten so viele Menschen Bücher signieren lassen und kurz mit Bernhard sprechen, dass die Pause dafür definitiv zu kurz war. Und es für den Autor in dem Sinne eigentlich gar keine Pause gab.
Irgendwann musste Robert die Signieraktion tatsächlich unterbrechen. Sonst hätten wir vermutlich irgendwann mitten in der Nacht erst mit der zweiten Hälfte der Lesung angefangen.
Denn nach der Pause standen Bernhard Hennen und Robert Corvus gemeinsam auf der Bühne.
Und wer die beiden schon einmal zusammen erlebt hat, weiß wahrscheinlich, was jetzt kommt.
Die beiden zusammen sind einfach einmalig und ein absolutes Erlebnis! Sie arbeiten seit vielen Jahren zusammen, kennen sich entsprechend gut und sind auf der Bühne ein unglaublich eingespieltes Team. Da sitzt nicht einer brav neben dem anderen und wartet darauf, bis er wieder an der Reihe ist. Da werden Blicke ausgetauscht, kleine Spitzen verteilt, Vorlagen geliefert, aufgegriffen und direkt wieder zurückgespielt.
Und Robert wäre natürlich nicht Robert, wenn er seinen Gast einfach in Ruhe sein vorbereitetes Programm abspulen lassen würde. Er versteht es unglaublich gut, aus seinen Gästen möglichst viel herauszupiesacken. Und seine Fragen sind dabei eben nicht immer die einfachsten.
Manchmal sitzt man daneben und denkt sich nur: „Hat er das jetzt wirklich gefragt?“ Ja. Hat er. Natürlich.
Aber genau dadurch entstehen Gespräche, die über eine normale Lesung hinausgehen. Und bei Bernhard funktioniert dieses Zusammenspiel besonders gut.

Gemeinsam widmeten sich die beiden nun ihrer großen Phileasson-Saga. Im Mittelpunkt stehen die beiden legendären Konkurrenten Asleif Phileasson, den sie den Foggwulf nennen und Beorn der Blender, die sich auf eine gewaltige Wettfahrt rund um die bekannte Welt Aventuriens begeben und dabei insgesamt zwölf Aufgaben bewältigen müssen. Nach 80 Wochen soll sich zeigen, wer von beiden die meisten dieser Aufgaben für sich entscheiden konnte.
Selbstverständlich wurde das Ganze nicht einfach nur trocken erklärt. Mit Karte und Präsentation führten Bernhard und Robert durch Aventurien und die verschiedenen Stationen der Reise.

Und spätestens hier begann auch das verbale Fechten. Denn wenn es um Phileasson und Beorn geht, schenken sich die beiden Autoren natürlich überhaupt nichts. Fast könnte man sagen: Draußen wurde vorher mit Schwertern gefochten – drinnen dann mit Worten.
Natürlich wurde anschließend auch gemeinsam gelesen. Die beiden präsentierten eine Szene aus dem vierten Band der Phileasson-Saga und lasen diese mit wechselnden Rollen. Die Szene zeigte wunderbar, wie viel Humor in dieser gewaltigen Fantasy-Saga steckt. Im Publikum wurde jedenfalls ordentlich gelacht.
Anschließend durfte natürlich auch hier wieder gefragt werden und Bernhard und Robert beantworteten die Fragen aus dem Publikum rund um die Saga und ihre gemeinsame Arbeit.

Aber damit war der Abend noch nicht vorbei. Denn wer schon einmal etwas von den legendären Phileasson-Lesungen gehört hat, der weiß: Da folgt noch mehr. Und so wurde auf der Leinwand ein Liedtext eingeblendet, während Bernhard durch das Publikum ging und Liedzettel verteilte. Robert hingegen instruierte das Publikum, denn ja – es wurde gesungen!
„Plündergold“ – zur Melodie von „Yesterday“.

Erst ging ein erstauntes, leicht entsetztes Raunen durch das Publikum, aber es hat funktioniert. Die Gäste haben mitgespielt, ähm … gesungen. Auch wenn nicht jeder Ton hundertprozentig saß, war die Begeisterung doch groß. Und Robert Corvus erledigte auf der Bühne den Rest: Er animierte das Publikum immer wieder mit so viel Charme und guter Laune, dass am Ende wirklich der ganze Saal lautstark mitgesungen hat.
Auf jeden Fall war es ein herrlich schräger und gleichzeitig ziemlich passender Abschluss dieses Programmpunkts.

Nach dem offiziellen Ende ging es für Bernhard praktisch direkt wieder mit dem Signieren weiter. Währenddessen traf dann auch das bestellte Essen ein und ich war erstaunt, wie viele Gäste doch noch geblieben sind um den Abend gemeinsam bei einem lockeren Beisammensein ausklingen zu lassen.

Meiner Erinnerung nach waren diesmal ungefähr 62 Gäste bei der Veranstaltung – also in etwa so viele wie bei Roberts Premiere im Mai. Was dieses Mal allerdings auffiel: Besonders viele Menschen waren von weiter weg angereist. Bei den vorherigen Veranstaltungen kamen viele Gäste direkt aus Epe und der näheren Umgebung.
Die Atmosphäre im Lindenwirt ist einfach klasse! Es fühlt sich nicht an wie eine klassische Veranstaltung, sondern eher wie ein großes gemeinsames Zusammensitzen voller Geschichten, Gespräche und Begegnungen.

Auch das unkomplizierte Bezahlsystem funktionierte wieder hervorragend und am Ende befand sich erneut ein wenig mehr Geld in der Kasse, als eigentlich für die Bestellungen notwendig gewesen wäre. Und natürlich durfte nach getaner Arbeit auch eine schön gekühlte Küstenlimo für Robert nicht fehlen.
Von mehreren Gästen hörte ich später sogar, dass dies für sie bislang das beste Leseevent der Reihe gewesen sei. Und ich kann durchaus verstehen, warum. Zwei Menschen auf der Bühne können einfach noch einmal ganz anders miteinander agieren als ein einzelner Autor. Und wenn es sich dann um zwei derart eingespielte Menschen wie Bernhard und Robert handelt, entsteht eine ganz eigene Dynamik.
Die letzten Gäste gingen ungefähr gegen ein Uhr nachts. Während die letzten Gespräche noch im Gange waren, hatte ich bereits angefangen, ein wenig aufzuräumen, leere Getränkeflaschen einzusammeln, Pizzaschachteln und andere Verpackungen zu entsorgen und langsam wieder etwas Ordnung zu schaffen.
Und irgendwann saßen tatsächlich nur noch Bernhard, Robert und ich zusammen.

Ich glaube, genau diese Stunden gehören für mich rückblickend sogar zu den schönsten Momenten meines gesamten Aufenthalts. Wir ließen die Veranstaltung noch einmal Revue passieren, sprachen darüber, wie wir den Abend erlebt hatten, und kamen anschließend auf alle möglichen anderen Themen. Teilweise wurden die Gespräche ziemlich tiefgehend und interessant.
Irgendwann schaute ich eher zufällig auf die Uhr: 2:30 Uhr. Ähm … Moment. Wie bitte?!
Ich musste am nächsten Morgen schließlich wieder zur Dialyse. Also erklärte ich den beiden Herren, dass ich mich jetzt definitiv verabschieden und ins Bett gehen würde, und erinnerte Robert vorsichtshalber noch einmal daran, dass er mich wenige Stunden später wieder nach Bramsche zur Dialyse fahren musste.
Die beiden saßen übrigens noch bis vier Uhr morgens im Saal. Alles klar. Das erklärte zumindest gewisse Müdigkeitserscheinungen am nächsten Morgen. *lach*

Was ich ein wenig bedaure, ist, dass ich Bernhard am Freitagmorgen nicht noch einmal gesehen habe. Denn während ich bei der Dialyse an der Maschine lag, saßen Bernhard, Robert und seine Tante noch einmal gemeinsam beim Frühstück im Garten. Anschließend machte Bernhard sich auf den Heimweg und nahm Roberts Tante mit.
Nachdem Robert mich wieder von der Dialyse abgeholt hatte, waren wir beide ziemlich erledigt. Also wurde erst einmal eine Runde geschlafen. Später machten wir uns daran, die letzten Spuren der Veranstaltung zu beseitigen. Gläser wurden gespült, Flaschen sortiert, Leergut weggebracht, Tischdecken zusammengelegt und der Saal langsam wieder in seinen normalen Zustand versetzt.
Am Abend schauten wir noch beim ersten Treffen des Schützenvereins nach der Sommerpause vorbei. Allerdings steckten uns die vergangenen Tage und vor allem die kurze Nacht doch ziemlich in den Knochen, sodass wir diesmal nicht allzu lange blieben.
Freitag und Samstag ließen wir insgesamt wesentlich ruhiger angehen und irgendwann rückte dann leider auch schon wieder meine Heimfahrt näher.
Samstagmittag waren wir noch einmal gemeinsam asiatisch essen und verbrachten den restlichen Tag gemütlich. Als es nach den heißen Tagen endlich anfing zu regnen, machten wir sogar noch einen Spaziergang und ich verabschiedete mich noch bei einer Bekannten, bevor es am Abend Richtung Osnabrücker Hauptbahnhof ging.
Mein Zug sollte um 21:37 Uhr Richtung Heimat starten. Bereits am Bahnhof wurden allerdings 45 Minuten Verspätung angezeigt – und dabei sollte es leider nicht bleiben.
Unterwegs kamen weitere ungeplante Zwischenstopps hinzu, bis wir schließlich wegen technischer Probleme mit dem Triebwerk längere Zeit mitten auf der Strecke standen. Nachdem es irgendwann weiterging, folgte wenig später der nächste Halt und mit zunehmender Verspätung schließlich die Durchsage, dass Frankfurt Hauptbahnhof gar nicht mehr angefahren werden würde. Stattdessen müsste ich eine Station davor am Frankfurter Flughafen aussteigen.
Also hieß es wieder telefonieren, umplanen und hoffen, irgendwann tatsächlich noch nach Hause zu kommen. Am Frankfurter Flughafen wurde ich schließlich abgeholt.
Aus der ohnehin schon späten Heimreise wurde damit endgültig eine kleine Odyssee. Statt wie geplant gegen 1:30 Uhr zu Hause zu sein, erreichte ich den Frankfurter Flughafen erst kurz vor 4:00 Uhr in der Früh und war schließlich gegen 4:15 Uhr daheim. Ich habe noch angefangen, die wichtigsten Dinge halbherzig aus dem Koffer zu räumen und bin letztendlich total übermüdet in mein Bett gefallen.
Wenn ich jetzt auf diese Tage zurückblicke, war die Veranstaltung mit Bernhard Hennen für mich definitiv ein ganz besonderer Abend innerhalb von „Literatur im Lindenwirt“.
Schon das Schwertkampf-Vorprogramm war außergewöhnlich und zeigte sehr anschaulich, wie viel tatsächliches Wissen und praktische Erfahrung hinter Szenen stecken können, die wir später scheinbar ganz selbstverständlich in einem Fantasyroman lesen.
Die Präsentation der „Chroniken von Azuhr“ wiederum zeigte, wie eng Fantasy trotz fantastischer Welten mit unserer eigenen Gegenwart verbunden sein kann und wie sich gesellschaftliche Themen, die Macht von Geschichten und der Umgang mit Informationen in einem völlig anderen Setting betrachten lassen.
Und dann natürlich: Bernhard Hennen und Robert Corvus gemeinsam auf der Bühne.
Die beiden muss man eigentlich einfach einmal zusammen erlebt haben. Dieses eingespielte Miteinander, die kleinen Spitzen, das gegenseitige Aufziehen, die Begeisterung für ihre Geschichten und gleichzeitig dieses völlig Selbstverständliche im Umgang miteinander machen eine gemeinsame Lesung zu etwas Besonderem.
Aber wenn ich ganz persönlich sagen müsste, was mir von diesen Tagen am meisten in Erinnerung bleiben wird, dann sind es wahrscheinlich wieder die Momente zwischen all den offiziellen Programmpunkten.
Das gemeinsame Vorbereiten und Herumwuseln im Lindenwirt, Roberts Scherze und Piesackereien, das Kennenlernen seiner Tante, die vielen Gespräche mit all den unterschiedlichen Menschen und natürlich das gemeinsame Beisammensitzen mit Robert und Bernhard nach der Lesung.
Aber auch die ganz stillen Momente gehören für mich dazu: morgens aufzuwachen, aus dem Fenster meines Gästezimmers zu schauen und direkt vor mir die beiden kleinen Ringeltauben in ihrem Nest zu beobachten und einfach diese Ruhe und Natur ringsherum zu genießen.
Und selbst wenn meine Heimfahrt am Ende noch zu einer kleinen Odyssee wurde und ich erst mitten in der Nacht wieder zu Hause angekommen bin: Das war es wert!
Deshalb auch diesmal wieder ein ganz herzliches Dankeschön an dich, lieber Bernd, für deine Gastfreundschaft, die schönen gemeinsamen Tage, die vielen Gespräche und dafür, dass ich dein Herzensprojekt wieder so nah miterleben durfte.
Und natürlich vielen Dank an Bernhard Hennen für diesen außergewöhnlichen Abend, die spannenden Einblicke in seine Geschichten und den Schwertkampf – und ganz besonders für die interessanten Gespräche weit nach Ende der eigentlichen Veranstaltung.
Ich bin gespannt, welche Geschichten der Lindenwirt in den kommenden Monaten noch schreiben wird.
Falls ihr nun neugierig auf „Literatur im Lindenwirt“ geworden seid, schaut gerne auch in mein ausführliches Interview mit Robert Corvus hinein, in dem er mehr über die Idee hinter dem Projekt, die geplanten Veranstaltungen und seine Vision für den Lindenwirt erzählt.
Oder vielleicht möchtet ihr ja nochmal in meinemn Vorab-Interview zur Lesung mit Bernhard Hennen reinlesen.
Weitere Informationen zur Lesungsreihe, den kommenden Terminen sowie Tickets findet ihr außerdem auf der offiziellen Webseite von Robert Corvus.
Über die Autoren

Bildnachweis „Gustav Kuhweide, Köln“
Robert Corvus, 1972 geboren, lebt in Niedersachsen. Der Diplom-Wirtschaftsinformatiker war in verschiedenen internationalen Konzernen als Strategieberater und Projektleiter tätig. Corvus ist Metalhead, Kinofan und Tänzer. Als Bernard Craw veröffentlichte er zahlreiche Romane in den Reihen »Das schwarze Auge« und »Battletech« sowie einen apokalyptischen Vampirthriller. Als Robert Corvus etablierte er sich mit der Trilogie »Die Schattenherren« in der Grim & Gritty Fantasy, schreibt neben Einzeltiteln und Trilogien Fantasy bei »Die Vagabunden«, Science-Fiction bei »Perry Rhodan« und adaptierte gemeinsam mit Bernhard Hennen die »Phileasson-Saga«.
(Quelle + Infos: Amazon)
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Bernhard Hennen, 1966 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Vorderasiatische Altertumskunde. Als Journalist bereiste er den Orient und Mittelamerika, bevor er sich ganz dem Schreiben fantastischer Romane widmete. Mit seiner Elfen-Saga stürmte er alle Bestsellerlisten und schrieb sich an die Spitze der deutschen Fantasy-Autoren. Hennen lebt mit seiner Familie in Krefeld.
(Quelle + Infos: Amazon)
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Bildnachweis: © Stephan Sasse
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